- Laufberichte -
Sao Paulo Marathon in Sao Paulo am 19.10.2014

Erst vor neun Jahren hatte Jürgen Schilder aus Hambrücken mit dem Laufsport begonnen. Jetzt holte er sich beim Sao Paulo-Marathon in Brasilien den sechsten Stern ab. Der heute 46-Jährige, der für die Lußhardtläufer Hambrücken startet, ist inzwischen auf allen sechs Kontinenten der Erde die Marathonstrecke über 42,2 Kilometer gelaufen. Mit Erfolg. „Inspiriert hatte mich 2005 ein vom SWR-Fernsehen ausgestrahlter Bericht, eröffnet der „Marathonmann“. Das Projekt hieß „Von 0 auf 42“. Bundesweit waren seinerzeit sechs Nichtläufer ausgewählt, medizinisch betreut und trainiert worden. Der Beitrag, wie man eigentlich Unmögliches erreichen kann, hatte ihn derart fasziniert, dass er sich sagte: „Das schaffe ich auch“. Nach sportlichen Belastungstests und Untersuchungen gab der Hambrückener Sportarzt Dr. Thomas Häussler – selbst ambitionierter Langsteckenläufer – grünes Licht und Schilder begann mit kurzen Läufen durch den Lußhardtwald. Er lief bei Wind und Wetter strikt nach dem Trainingsplan „Von 0 auf 42“, nahm nebenbei einige Kilos ab, tat viel für die Gesundheit. Nur ein Jahr später startete er seinen ersten Marathon in Venedig. Fortan sollte ihn das Laufen nicht mehr loslassen. „Ich hatte Blut geleckt und mir zum Ziel gesetzt, auf jedem Kontinent der Erde einen Marathon anzugehen“. Dazu muss man wissen, dass der verheiratete IT-Spezialist und Vater von Zwillingen, das Glück hat, seine weltweiten Geschäftsreisen mit den alljährlichen Marathon-Highlights zu verbinden. Inzwischen ist Jürgen Schilder neben etlichen absolvierten Läufen in Deutschland auch in Dubai (Asien), Las Vegas (Nordamerika), Marrakesch (Afrika), Sydney (Australien) und aktuell in Sao Paulo (Südamerika) gestartet – und stets ins Ziel gekommen. „Oftmals ist das Erlebnis wichtiger als das Ergebnis“, lautet die Maxime des ehrgeizigen Sportlers, der neben einem 33 Kilometer-Sylt-Insel-Lauf und dem Strongman-Run (härtester Geländehindernislauf in Deutschland) unter anderem auch einen Halbmarathon in Kuala Lumpur (Malaysia) absolvierte. Jetzt kann er also auch die 20 Millionen-Metropole Sao Paulo abhaken, nachdem er als einer von 8 520 Läufern das Ziel passierte und die Finisher-Medaille umgehängt bekam. „Die Anzahl der gestarteten Läufer war wesentlich höher, da viele der unglaublichen Hitze Tribut zollen mussten“, berichtet Schilder. Normalerweise findet der dortige Marathon im kühleren April statt, doch aufgrund der Fußball-WM wurde die Veranstaltung in das dort warme Spätjahr verschoben. „Zum Leidwesen der Sportler ging es bei Höchsttemperaturen von bis zu 36 Grad Celsius auf die Strecke. Es war unglaublich heiß“, so Schilder im Rückblick. Aufgrund der hohen Temperaturen seien kaum Zuschauer auf der Strecke gewesen. Zahlreiche Läufer hätten sich nur noch gehend vorwärts bewegt. Zwischenzeitlich hatten die Organisatoren aufgrund der fast unmenschlichen Bedingungen den Zielschluss von sechs auf sieben Stunden erweitert. Die Rettungskräfte seien im Dauereinsatz gewesen, zahlreiche Läufer mussten wegen Erschöpfung oder Hitzekollaps aufgeben. Letztlich überquerte Jürgen Schilder bei strahlendem Sonnenschein in 4:54 Stunden die Ziellinie. „Ich hatte zuvor keine Erwartungen an eine gute Laufzeit, wollte lediglich ankommen“, sagt Schilder nach der Rückkehr in heimatliche Gefilde. Nun kann er bei angenehmen Herbsttemperaturen seiner Passion hierzulande freien Lauf lassen. Als zweiter Vorsitzender der Lußhardtläufer ist Schilder auch sozial engagiert. Er ist Mitinitiator des kürzlich eröffneten Lußhardt-Generationenparks („Die Planungen für eine Erweiterung mit Übungsgeräten für Kraft und Koordination sind schon in Gange“) und war auch in die Organisation des Sponsorenlaufs zur Sanierung der Pfarrkirche St. Remigius“ in Hambrücken eingebunden. Zuletzt hatte Jürgen Schilder ein Laufprojekt zur Resozialisierung von Häftlingen unterstützt und begleitete beim sogenannten „Knastmarathon“ einen Häftling über eine 42,2-Kilometer lange Rundstrecke.

 

 

 

... zurück zu den Laufberichten